2 — LichenologieLichenisierte PilzeFlechten sind mutualistische Assoziationen zwischen einer filamentösen Pilzenart (v. a. Ascomyceten) und einer oder mehrerer Cyanobakterien- und/oder Grünalgenart(en). Viele dieser lichenisierten Systeme sind gekennzeichnet durch ihre Fähigkeit zur Besiedelung extremer Standorte (u. a. in Wüstengebieten, Hochgebirgen, usw.), zu langsamem Wachstum und ihre Eigenschaft, sehr unterschiedliche Sekundärmetabolite, sog. 'Flechtenstoffe' zu bilden. Eine Reihe von Flechtenarten dienen als Zeiger für Klima, Luftgüte sowie – im Falle terrikoler Arten – bestimmte Bodeneigenschaften.
Im Rahmen des BIOTA AFRICA-Projektes (www.biota-africa.org) wird die Flechtendiversität in ariden und semiariden Gebieten von Namibia und Südafrika mit Hilfe eines 'Bodenoberflächen-Scanners' erfasst und ihre Änderung hinsichtlich Zusammensetzung und Abundanz der Arten aufgrund Habitatunterschieden und Klimaveränderungen untersucht (biota-africa.uni-bayreuth.de). Besondere Aufmerksamkeit wird jenen Flechten gewidmet, welche an der Bildung von biologischen Bodenkrusten beteiligt sind. Bodenflechten reagieren äußerst empfindlich gegenüber Umweltänderungen und anthropogene Störungen. Auf den untersuchten Flächen wurden über 70 bodenbewohnende Flechtenarten nachgewiesen. Die Diversität im Untersuchungsgebiet ist äußerst hoch im Vergleich zu anderen ariden Regionen der Erde und wird von den besonderen Klimabedingungen (hohe Luftfeuchtigkeit, häufige Nebel- und/oder Taubildung) gefördert.
Flechtenvergesellschaftungen an Stämmen heimischer Laubbaumarten werden in Kooperation mit der Botanischen Staatssammlung München der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns mittels eines 'Baumstammoberflächen-Scanners' untersucht. Die Hardware besteht aus einer Leichtmetall-Rahmenkonstruktion und einer Digitalkamera, mit der elektronisch gesteuert digitale Aufnahmen der Stammoberflächen bis in eine Höhe von etwa 1,5 m angefertigt werden (tts.uni-bayreuth.de). Im Labor werden die Aufnahmen zusammengefügt und über bildgebende Verfahren ausgewertet.
Unser Online-Identifikationssystem LIAS light (Rambold, G., Elix, J. A., Nash III, T. H., Zedda, L. (eds.) 2001 onwards. LIAS light – A Database for Rapid Identification of Lichens. – liaslight.lias.net/.) umfasst mittlerweile Einträge zu ca. 9.500 Flechtenarten, d. h. für über die Hälfte aller Arten weltweit. In Kooperation mit Fachkollegen werden Datenstrukturen und Benutzeroberfläche in Hinblick auf eine Internationalisierung bzw. Globalisierung und Lokalisierung des Projekts in verschiedene Landessprachen übersetzt: neben Englisch bisher Arabisch, Armenisch, Chinesisch, Deutsch, Esperanto, Farsi, Französisch, Hebräisch, Italienisch, Kirgisisch, Polnisch, Portugisisch (Brasilien), Russisch, Türkisch, Spanisch und Usbekisch.
The LIAS project contributes with lichen taxon names to the Catalogue of Life
Flechtenassoziierte PilzeFlechten werden fast stets von so genannten ‚lichenikolen Pilzen’ besiedelt, deren Haupt- oder Nebenfruchtformen auf der Thallusoberfläche erkennbar sind. Wie die primären Mykobionten der Flechte selbst gehören die meisten der über 1.500 Arten dieser ökologisch sehr interessanten Gruppe von Pilzen zu den Ascomycota (Schlauchpilze). Seit fast 20 Jahren ist bekannt, dass Flechtenthalli zudem von einer großen Zahl so genannter ‚endolichenischer Pilze’ asymptomatisch besiedelt werden. Die Verbreitung und Biologie von Vertreten dieser zumeist noch völlig unbekannten phylogenetischen Abstammungslinien wird derzeit bei nordhemisphärisch verbreiteten Flechtenarten der Flechtenvergesellschaftung des Letharietum vulpinae anhand molekularbiologischer Methoden untersucht.
| ||||||||||||||
Aktuelle Projekte (mit Hauptschwerpunkt auf diesem Forschungsfeld)
| ||||||||||||||
Aktuelle Projekte (mit Nebenschwerpunkt auf diesem Forschungsfeld)
| ||||||||||||||
Abgeschlossene Projekte (mit Hauptschwerpunkt auf diesem Forschungsfeld)
| ||||||||||||||
Abgeschlossene Projekte (mit Nebenschwerpunkt auf diesem Forschungsfeld)
|
<< zurück zur Übersicht






